Volunteer Testimonials
FARINA

Teaching and Community development project in South India - 12 weeks

Farina & other volunteers
with tribal dancer
Farina & Tribal Life
Mending orphanage children's clothes

Mein Name ist Farina Asche und ich war Anfang des Jahres 2009 für drei Monate in Indien. Meine Erfahrungen unterscheiden sich grundsätzlich von denen der anderen Yearoutindia-Freiwilligen, da ich nicht über „ year out india" nach Indien kam. Zuerst wollte ich schon eine Organisation aufsuchen, welche mir in Indien und bei den Vorbereitungen in Rat und Tat zur Seite stehen könnte, doch ich konnte keine geeignete finden, welche mir in den finanziellen Ansprüchen zusagte. Ich sah keinen Sinn darin, für meine freiwillige Arbeit auch noch Unmengen von Geld zu zahlen. Vielleicht geht es euch da ähnlich. Also suchte ich nach anderen Möglichkeiten und fand letztendlich über einen indischen Gastpriester in meiner Heimatstadt Kontakt zu indischen Priestern, welche mich in eine Schule und ein Kinderheim vermittelten.

Natürlich hatte ich mich auf einen Kulturschock eingestellt und mir viel über die indische Kultur und Mentalität angelesen, aber der Aufenthalt dort übertraf meine Erwartungen um einiges. Ich wurde sozusagen in ein völlig anderes Leben geworfen. Da ich nicht wusste, was für Arbeit mich erwarten würde, war ich zunächst wirklich überfordert. Schon am ersten Tag wurde ich in die Schulklassen der Grundschule geführt und dort allein gelassen, mit den Worten: „ Mach mit den Kinder was du willst!“ Da keines der Kinder wirklich englisch sprechen konnte, war dies nicht so einfach. Aber durch die Offenheit und Liebenswürdigkeit der Kinder fiel mir dies nach zwei Stunden schon nicht mehr so schwer. Sofort kamen sie angelaufen, berührten mich und sangen mir Lieder vor. So eine Kontaktfreudigkeit und Dankbarkeit für mein Dasein habe ich selten bei europäischen Kindern erlebt. Mir wurden dann bereits ab dem 3. Tag vier Klassen pro Tag zugeteilt. Jede Klasse umfasste ca. 40 Kinder. Nach dem Unterricht half ich im Kinderheim (kochen, nähen, waschen…) und spielte mit den Heimkindern. Alles war gut und ich fühlte mich zunächst wirklich wohl an diesem wunderschönen Stück Erde inmitten der Western Ghats. Doch nach und nach wurde der erste Monat zum Alptraum. Vermehrt stellte ich fest, dass die Kinder in der Schule und im Kinderheim geschlagen wurden, größtenteils mir dem Rohrstock. Ich, mit dieser Bestrafungsmethode überhaupt nicht vertraut und einverstanden ging zunächst blind dazwischen und handelte mir großen Ärger ein. Die Lehrerinnen wurden mir mehr und mehr unsympathisch und ich hielt mich immer weniger im Lehrerraum auf, was zu noch mehr Diskussionen führte. Hier war nun die Sprachbarriere ein weiterer Faktor, der alles erschwerte. Mit den Kindern war das kein Problem. Sie brachten mir die nötigsten Wörter auf malayalam und tamil bei und sonst blieb auch noch die Zeichen- und Körpersprache. Der Spruch „ von Kindern lernt man am besten“ hat sich für mich bewahrheitet.

Insgesamt wuchsen mir die Kinder immer mehr ans Herz und auch der Unterricht, welcher größtenteils aus Englisch- und Kunstunterricht bestand, klappte mittlerweile richtig gut und ich konnte erste Erfolge beobachten. Umso mehr traf es mich, als ich von der Existenz eines Buches Wind bekam. Ich wusste, dass die Führung des Kinderheims es nicht gerade begrüßte, wenn ich mit den Kindern spielte. Sie hatten einen geregelten Tagesplan, welcher größtenteils aus Arbeiten und Lernen bestand und keinerlei Spiel und Spaß zuließ. Doch dass sie überhaupt kein Verständnis für kindliche Bedürfnisse hatte, hatte ich zunächst nicht für möglich gehalten. Dieses besagte Buch wurde von den zwei ältesten Jungs geführt. Sie wurden dazu genötigt die Namen der jüngeren Kinder, welche sich nicht an die Regeln hielten aufzuschreiben. Größtenteils waren dies dann die Namen der Kinder, welche mit mir spielten, anstatt unsinnige Arbeiten, wie Unkrautzupfen an Stellen, wo kein Unkraut wächst, zu tun. Besagte Kinder wurden dann für ihre „Schandtat“ am Abend dafür geschlagen. Diese Tatsache machte mich so traurig, dass ich mich kaum noch traute zu den Heimkindern zu gehen, da ich mich für die Schläge verantwortlich fühlte Nun fing das Grauen erst richtig an. Ich konnte den Kindern nicht erklären, warum ich nicht mehr so oft kommen konnte, andererseits die Situation auch nicht ändern. Ich fühlte mich mehr und mehr isoliert und konnte mich mit niemandem austauschen, da hierfür die englische Sprachkenntnis der Nonnen und der Lehrer nicht ausreichte. Nur der Unterricht war noch meine Passion, obwohl ich auch hier nicht mehr so elanvoll an die Sache heranging. Wichtig war mir jedoch, dass die Kinder wussten, dass ich sie sehr gern habe und sie nie schlagen würde. Ich wollte unbedingt Veränderung schaffen. Aber wie?

Nach einem Monat dann besuchte mich eine deutsche Freiwillige, welche in einer nah gelegenen Schule unterrichtete mit den Mitarbeitern der Organisation, welche sie betreute. So bekam ich das erste Mal die Möglichkeit über mein Probleme und Erfahrungen zu reden und mich auszutauschen. Die Organisation mit der die nach Indien kam, heißt „Year Out India“! Die Mitarbeiter der Organisation waren vom ersten Moment an total freundlich und nahmen sich meiner Probleme an. Ich verbrachte einen Tag mit ihnen und schnell stand fest, dass ich nicht mehr alleine zurück wollte. Dann ging alles ganz schnell. Ich wechselte meinen Wohnort und zog in ein Haus, in dem mehrere Freiwillige und Mitarbeiter von Yearoutindia wohnten. Ich wollte jedoch nicht das Projekt wechseln und so half mir Yearoutindia die Nonnen zu überzeugen, weiterhin in ihrer Schule tätig zu sein. Ich wollte meine Kinder nicht im Stich lassen.

Es war so ein überwältigendes Gefühl endlich jemanden zu haben, der alle meine Fragen beantworten konnte und der mir als Ansprechpartner in diesem kulturfremden Land zur Verfügung steht. Yearoutindia half mir dabei Zeiten mit der Kinderheimleitung auszuhandeln, in welchen ich mit den Heimkindern spielen konnnte, ohne Angst haben zu müssen, dass die dafür bestraft werden. Es war so toll die Kinder wieder so glücklich zu sehen. Auch konnte ich ihnen durch Yearoutindia endlich einen echten Lederball kaufen. Ich hatte zuvor Spielsachen, wie Bälle und Seilchen gekauft, aber aufgrund der „indischen Qualität“ gingen diese Dinge nach und nach kaputt. Auch half mir Yearoutindia Medizin gegen die Kopfläuse, sowie Farbe, um die Toiletten zu streichen zu kaufen und einen Ausflug mit den Heimkindern zu organisieren. Ohne die Hilfe von Yearoutindia hätte ich das alles nicht bewerkstelligen können. Yearoutindia- Mitarbeiter halfen auch beim Streichen und immer dann, wenn ich die Hilfe benötigte. Ich bekam durch den Kontakt mit Yearoutindia immer mehr Kraft und Mut und plötzlich hatte ich eine Idee, wie ich die Bestrafungsmethode in der Schule eindämmen konnte. Ich nahm großes Blatt Papier für jede Klasse und trug alle Namen der Kinder darauf ein. 20 Spalten für 20 Tage gaben den Kindern die Möglichkeit, Sterne für gute Taten (Fleiß, Ordentlichkeit, Freundlichkeit..) und schwarze Punkte für schlechte Taten( Unordnung, Streit,…) zu sammeln. Ich kaufte Bleistifte und Radiergummis als Preise für die besten zwei nach 20 Tagen.

Zu Beginn war ich skeptisch, ob es funktionieren könnte, aber die Lehrer und Kinder nahmen es mit Freuden an und die Schüler wurden sogar richtig ergeizig. Besonders freute ich mich über die Akzeptanz, welche ich bei den Lehrern sah. Ich konnte feststellen, dass sie nicht wirklich glücklich über das Schlagen waren, aber sie wären nie auf die Idee gekommen, sich etwas Neues auszudenken.

Ohne Yearoutindia wäre ich jedoch nicht auf die Idee gekommen, sondern wöäre wahrscheinlich depressiv geworden.

Auch gab Yearoutindia mir die Möglichkeit in andere Projekte hineinzuschauen. So besuchte ich zum Beispiel eine Tribalvillage, in welcher andere Freiwillige von Yearoutindia Toiletten für die Einwohner gebaut hatten und immer noch bauen und sich auch um die gesundheitliche Situation dort kümmern. Es war sehr schön zu sehen, wie sehr sich die Menschen dort über die Hilfe freuen.

Ich ärgere mich noch heute, dass ich nicht eher von Yearoutindia gehört habe. Aber nun weiß ich umso mehr, wie wichtig es ist Menschen um sich zu haben, die einem in einem fremden Land mit Wort und Tat zur Seite stehen. Wichtig zu nennen ist auch, dass alles, was bei Yearoutindia geschieht Initiative der Freiwilligen ist. Das heißt, du sagst was du machen willst und Yearoutindia hilft dir dann dabei. Auch kannst du dir bei Yearoutindia sicher sein, dass das Geld sinnvoll genutzt wird. Ich habe sehen können, wie das Geld direkt in die Projekte fließen (z.B. Beschaffung von Baumaterialien für Toilettenbau, Essen für die Heimkinder..) und nicht irgendwo verschwindet, wie es bei vielen Organisationen der Fall ist

Ich danke Yearoutindia für die Hilfe und die freundliche Aufnahme in ihr Team und vor allem auch für die Hilfe bei der Vermittlung an meine beiden Patenkinder. Yearoutindia half mir die familiären Hintergründe herauszufinden und gibt mir die Sicherheit, dass das Geld auch wirklich den Kindern zugute kommt.

Ich wünsche allen die sich entschließen über Yearoutindia nach Indien zu kommen eine Erfahrungsreiche Zeit, sowie ich sie hatte und ich wünsche euch, dass es euch menschlich weiterbringt. Indien ist ein tolles Land mit vielen Problemen, welches unsere Hilfe braucht.

Es ist wichtig glücklich zu sein, um andere glücklich zu machen!

Eure Farina

Wenn ihr noch Fragen habt, schreibt mir einen e-mail via : info@yearoutindia.com

  Farina at Tribal Village
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