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Mein Name ist Farina Asche und ich war Anfang des Jahres
2009 für drei Monate in Indien. Meine Erfahrungen
unterscheiden sich grundsätzlich von denen der
anderen Yearoutindia-Freiwilligen, da ich nicht über
„ year out india" nach Indien kam. Zuerst wollte
ich schon eine Organisation aufsuchen, welche mir in
Indien und bei den Vorbereitungen in Rat und Tat zur
Seite stehen könnte, doch ich konnte keine geeignete
finden, welche mir in den finanziellen Ansprüchen
zusagte. Ich sah keinen Sinn darin, für meine freiwillige
Arbeit auch noch Unmengen von Geld zu zahlen. Vielleicht
geht es euch da ähnlich. Also suchte ich nach anderen
Möglichkeiten und fand letztendlich über einen
indischen Gastpriester in meiner Heimatstadt Kontakt
zu indischen Priestern, welche mich in eine Schule und
ein Kinderheim vermittelten.
Natürlich
hatte ich mich auf einen Kulturschock eingestellt und
mir viel über die indische Kultur und Mentalität
angelesen, aber der Aufenthalt dort übertraf meine
Erwartungen um einiges. Ich wurde sozusagen in ein völlig
anderes Leben geworfen. Da ich nicht wusste, was für
Arbeit mich erwarten würde, war ich zunächst
wirklich überfordert. Schon am ersten Tag wurde
ich in die Schulklassen der Grundschule geführt
und dort allein gelassen, mit den Worten: „ Mach mit
den Kinder was du willst!“ Da keines der Kinder wirklich
englisch sprechen konnte, war dies nicht so einfach.
Aber durch die Offenheit und Liebenswürdigkeit
der Kinder fiel mir dies nach zwei Stunden schon nicht
mehr so schwer. Sofort kamen sie angelaufen, berührten
mich und sangen mir Lieder vor. So eine Kontaktfreudigkeit
und Dankbarkeit für mein Dasein habe ich selten
bei europäischen Kindern erlebt. Mir wurden dann
bereits ab dem 3. Tag vier Klassen pro Tag zugeteilt.
Jede Klasse umfasste ca. 40 Kinder. Nach dem Unterricht
half ich im Kinderheim (kochen, nähen, waschen…)
und spielte mit den Heimkindern. Alles war gut und ich
fühlte mich zunächst wirklich wohl an diesem
wunderschönen Stück Erde inmitten der Western
Ghats. Doch nach und nach wurde der erste Monat zum
Alptraum. Vermehrt stellte ich fest, dass die Kinder
in der Schule und im Kinderheim geschlagen wurden, größtenteils
mir dem Rohrstock. Ich, mit dieser Bestrafungsmethode
überhaupt nicht vertraut und einverstanden ging
zunächst blind dazwischen und handelte mir großen
Ärger ein. Die Lehrerinnen wurden mir mehr und
mehr unsympathisch und ich hielt mich immer weniger
im Lehrerraum auf, was zu noch mehr Diskussionen führte.
Hier war nun die Sprachbarriere ein weiterer Faktor,
der alles erschwerte. Mit den Kindern war das kein Problem.
Sie brachten mir die nötigsten Wörter auf
malayalam und tamil bei und sonst blieb auch noch die
Zeichen- und Körpersprache. Der Spruch „ von Kindern
lernt man am besten“ hat sich für mich bewahrheitet.
Insgesamt
wuchsen mir die Kinder immer mehr ans Herz und auch
der Unterricht, welcher größtenteils aus
Englisch- und Kunstunterricht bestand, klappte mittlerweile
richtig gut und ich konnte erste Erfolge beobachten.
Umso mehr traf es mich, als ich von der Existenz eines
Buches Wind bekam. Ich wusste, dass die Führung
des Kinderheims es nicht gerade begrüßte,
wenn ich mit den Kindern spielte. Sie hatten einen geregelten
Tagesplan, welcher größtenteils aus Arbeiten
und Lernen bestand und keinerlei Spiel und Spaß
zuließ. Doch dass sie überhaupt kein Verständnis
für kindliche Bedürfnisse hatte, hatte ich
zunächst nicht für möglich gehalten.
Dieses besagte Buch wurde von den zwei ältesten
Jungs geführt. Sie wurden dazu genötigt die
Namen der jüngeren Kinder, welche sich nicht an
die Regeln hielten aufzuschreiben. Größtenteils
waren dies dann die Namen der Kinder, welche mit mir
spielten, anstatt unsinnige Arbeiten, wie Unkrautzupfen
an Stellen, wo kein Unkraut wächst, zu tun. Besagte
Kinder wurden dann für ihre „Schandtat“ am Abend
dafür geschlagen. Diese Tatsache machte mich so
traurig, dass ich mich kaum noch traute zu den Heimkindern
zu gehen, da ich mich für die Schläge verantwortlich
fühlte Nun fing das Grauen erst richtig an. Ich
konnte den Kindern nicht erklären, warum ich nicht
mehr so oft kommen konnte, andererseits die Situation
auch nicht ändern. Ich fühlte mich mehr und
mehr isoliert und konnte mich mit niemandem austauschen,
da hierfür die englische Sprachkenntnis der Nonnen
und der Lehrer nicht ausreichte. Nur der Unterricht
war noch meine Passion, obwohl ich auch hier nicht mehr
so elanvoll an die Sache heranging. Wichtig war mir
jedoch, dass die Kinder wussten, dass ich sie sehr gern
habe und sie nie schlagen würde. Ich wollte unbedingt
Veränderung schaffen. Aber wie?
Nach
einem Monat dann besuchte mich eine deutsche Freiwillige,
welche in einer nah gelegenen Schule unterrichtete mit
den Mitarbeitern der Organisation, welche sie betreute.
So bekam ich das erste Mal die Möglichkeit über
mein Probleme und Erfahrungen zu reden und mich auszutauschen.
Die Organisation mit der die nach Indien kam, heißt
„Year Out India“! Die Mitarbeiter der Organisation waren
vom ersten Moment an total freundlich und nahmen sich
meiner Probleme an. Ich verbrachte einen Tag mit ihnen
und schnell stand fest, dass ich nicht mehr alleine
zurück wollte. Dann ging alles ganz schnell. Ich
wechselte meinen Wohnort und zog in ein Haus, in dem
mehrere Freiwillige und Mitarbeiter von Yearoutindia
wohnten. Ich wollte jedoch nicht das Projekt wechseln
und so half mir Yearoutindia die Nonnen zu überzeugen,
weiterhin in ihrer Schule tätig zu sein. Ich wollte
meine Kinder nicht im Stich lassen.
Es
war so ein überwältigendes Gefühl endlich
jemanden zu haben, der alle meine Fragen beantworten
konnte und der mir als Ansprechpartner in diesem kulturfremden
Land zur Verfügung steht. Yearoutindia half mir
dabei Zeiten mit der Kinderheimleitung auszuhandeln,
in welchen ich mit den Heimkindern spielen konnnte,
ohne Angst haben zu müssen, dass die dafür
bestraft werden. Es war so toll die Kinder wieder so
glücklich zu sehen. Auch konnte ich ihnen durch
Yearoutindia endlich einen echten Lederball kaufen.
Ich hatte zuvor Spielsachen, wie Bälle und Seilchen
gekauft, aber aufgrund der „indischen Qualität“
gingen diese Dinge nach und nach kaputt. Auch half mir
Yearoutindia Medizin gegen die Kopfläuse, sowie
Farbe, um die Toiletten zu streichen zu kaufen und einen
Ausflug mit den Heimkindern zu organisieren. Ohne die
Hilfe von Yearoutindia hätte ich das alles nicht
bewerkstelligen können. Yearoutindia- Mitarbeiter
halfen auch beim Streichen und immer dann, wenn ich
die Hilfe benötigte. Ich bekam durch den Kontakt
mit Yearoutindia immer mehr Kraft und Mut und plötzlich
hatte ich eine Idee, wie ich die Bestrafungsmethode
in der Schule eindämmen konnte. Ich nahm großes
Blatt Papier für jede Klasse und trug alle Namen
der Kinder darauf ein. 20 Spalten für 20 Tage gaben
den Kindern die Möglichkeit, Sterne für gute
Taten (Fleiß, Ordentlichkeit, Freundlichkeit..)
und schwarze Punkte für schlechte Taten( Unordnung,
Streit,…) zu sammeln. Ich kaufte Bleistifte und Radiergummis
als Preise für die besten zwei nach 20 Tagen.
Zu
Beginn war ich skeptisch, ob es funktionieren könnte,
aber die Lehrer und Kinder nahmen es mit Freuden an
und die Schüler wurden sogar richtig ergeizig.
Besonders freute ich mich über die Akzeptanz, welche
ich bei den Lehrern sah. Ich konnte feststellen, dass
sie nicht wirklich glücklich über das Schlagen
waren, aber sie wären nie auf die Idee gekommen,
sich etwas Neues auszudenken.
Ohne
Yearoutindia wäre ich jedoch nicht auf die Idee
gekommen, sondern wöäre wahrscheinlich depressiv
geworden.
Auch
gab Yearoutindia mir die Möglichkeit in andere
Projekte hineinzuschauen. So besuchte ich zum Beispiel
eine Tribalvillage, in welcher andere Freiwillige von
Yearoutindia Toiletten für die Einwohner gebaut
hatten und immer noch bauen und sich auch um die gesundheitliche
Situation dort kümmern. Es war sehr schön
zu sehen, wie sehr sich die Menschen dort über
die Hilfe freuen.
Ich
ärgere mich noch heute, dass ich nicht eher von
Yearoutindia gehört habe. Aber nun weiß ich
umso mehr, wie wichtig es ist Menschen um sich zu haben,
die einem in einem fremden Land mit Wort und Tat zur
Seite stehen. Wichtig zu nennen ist auch, dass alles,
was bei Yearoutindia geschieht Initiative der Freiwilligen
ist. Das heißt, du sagst was du machen willst
und Yearoutindia hilft dir dann dabei. Auch kannst du
dir bei Yearoutindia sicher sein, dass das Geld sinnvoll
genutzt wird. Ich habe sehen können, wie das Geld
direkt in die Projekte fließen (z.B. Beschaffung
von Baumaterialien für Toilettenbau, Essen für
die Heimkinder..) und nicht irgendwo verschwindet, wie
es bei vielen Organisationen der Fall ist |